Merry Christmas, Mr Walker ~ Eine FWnet Weihnachtsgeschichte

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Merry Christmas, Mr Walker ~ Eine FWnet Weihnachtsgeschichte

#1

Beitragvon Chris Page » So 23. Dez 2018, 19:43

Merry Christmas, Mr. Walker
Eine FW.net Weihnachtsgeschichte (C) 2018

Ich weiß nicht, wo man diese Geschichte anheften sollte. Ein Roleplay ist es nicht. Wohl aber ein Versuch, dem FWnet Jahr 2018 mit einer kleinen (Weihnachts)Geschichte zu würdigen. Viel Spaß beim Lesen.

Während es anderen Menschen in dieser Jahreszeit warm ums Herz wird, wird es in seinem Herzen immer kälter. Die Karriere war seit Jahren am Ende, die Schmerzen im Nacken wurden mit jedem Jahr spürbarer. Medikamente wurden immer wirkungsloser und nichts schien den Lauf der Zeit aufhalten zu wollen. Die Weihnachtstage standen vor der Tür. Der Schnee sollte mittlerweile genauso hoch vor der Tür stehen, wie die Fanpost. Post von Fans, die ein letztes Mal um ein Autogramm betteln, bevor die Zeit der Abdankung gekommen war. Doch nichts davon geschah in diesen Tagen. Die Fanpost blieb ebenso aus, wie der Schnee vor der Tür. Und auch der Weihnachtsbaum, der jedes Jahr vor dem Haus der großen Ranch stand, blieb dieses Jahr kahl und ungeschmückt. Das Alter hatte Cold Heart Randy Walker eingeholt. Nicht nur körperlich, auch seelisch schienen seine Tage gezählt. Er war noch keine 45 Jahre alt, aber für einen Wrestler war es, als vergingen die letzten Stunden eines großartigen Lebens.

Müde und von Medikamenten gezeichnet saß Randy Walker in dem uralten Sessel seines Büros, irgendwo in Texas, und trank eine Flasche Bier. Der Sessel hatte wahrlich schon bessere Zeiten gesehen, doch stammte er noch aus der Zeit, da Andrew und Eric Walker die südamerikanische Tag Team Szene beherrschten. Die Walkers waren seit jeher so etwas wie die ‚Real American Idols‘ in den Südstaaten des (Fantasy)Wrestlings. Allerdings war das eine Zeit, in der die Tag Team Szenen noch von Bedeutung waren. Einer Zeit, in der Tag Team Divisions das Herz mancher Wrestling Liga waren. Eine längst vergessene Zeit, wie die Ära der Walkers. Eine Zeit, die Randy sehr vermisste. Er schloss die Augen, gedanklich tief in Nostalgie verfallen. In Erinnerungen an große Schlachten, um große Titel, in großen Wrestlingringen überall auf der Welt. Er war von seinen Gedanken derart vereinnahmt, dass er alles andere um sich herum vergaß.

Leise ging die Tür zum Büro auf und eine Frau trat herein. Sie schlich leise auf Zehenspitzen durch den Raum und umschlang den Oberkörper ihres Mannes, als sie den Sessel erreichte. Sie hatte ihr halbes Leben mit diesem Mann verbracht und kannte ihn besser als jede andere Person.

»Wie geht es dir? Schwelgst du in Erinnerungen oder schmiedest du Pläne?«

»Erinnerungen«, antworte Randy mit leiser Stimme der Sehnsucht. »Immer wieder Erinnerungen. Die Zukunft hat mir nichts mehr zu bieten.«

»Schatz, du weißt, dass das nicht wahr ist. Man hat dir immer wieder eine Hand gereicht. Und du warst so dumm, sie auszuschlagen. Mach nicht dein Schicksal dafür verantwortlich.«

»Ich weiß, ich weiß. Ich bin ein störrischer alter Mann.«, flüsterte Randy seiner Ehefrau zu, ohne einmal nach ihr zu sehen. »Gibt es Neuigkeiten?«

»Ja. Ein Anruf. Christopher Jenkins von der X-Mas Championship Wrestling hat nach dir gefragt.«, antwortete Nicole Walker, während sie ihren Kopf sanft an den ihres Mannes lehnte. Sie streichelte ihn mit der Fingerspitze über die mit Bartstoppeln versehenen Wange. »Ich glaube, er wollte dich zu seiner Show einladen.«

»Ich kenne die Promotion nicht. Weder eine XCW noch einen Christoph Jay.«

»Christopher Jenkins«, korrigierte Nicole ihn. »Ich kenne ihn auch nicht, aber sein Angebot klang aufrichtig. Ehrlich. Und ich glaube, er möchte dir eine letzte Chance geben. Ich meine eine echte Chance. Nicht einer dieser Absrachen, wo es nur darum geht, dass der eine Mann den anderen über den Tisch zieht.«

»Was macht dich da so sicher?«

»Ich weiß nicht. Es ist nur ein Gefühl. Rede einfach mit ihn. Vielleicht wirst du es dann verstehen.«

Randy Walker verbrachte einen Moment mit nachdenken. Abwegen der Möglichkeiten. Ausloten seiner Optionen, nur um festzustellen, dass er kein besseres Angebot hatte. Genau genommen hatte er gar kein Angebot vorliegen, außer die Chance, eine mehr oder weniger einsame Weihnachten in seinem Haus zu verbringen.

»Ich werde darüber nachdenken, auch wenn ich den Sinn dahinter nicht verstehe.«
* * *
»Nein, sie verstehen nicht, Mister Jenkins. Mein Name ist Cold Heart Randy Walker und mir ist es verdammt egal, welche Verpflichtungen sie zu tragen haben. Sie haben mich kontaktiert, wegen eines Auftrittes und ich verlange ein Match und keine Wohltätigkeitsveranstaltung.«

Cold Heart Randy Walker war so in Fahrt. Verhandlungen für Auftritte waren nicht sein Ding. Jeder hatte seine Vorzüge und Nachteile, aber dieser Kerl am anderen Ende der Leitung hatte wirklich einen Nerv getroffen. Etwas gesagt, das so gar nicht ging. Seiner Meinung nach war der Name Randy Walker mehr wert, als eine Randnotiz auf einer X-Mas Card mit dem Vermerk ‚and as special guest‘ – viel mehr. Und Walker machte seinen Standpunkt mit Druck klar.

»Hören, sie Mister Walker. Ich bin auch nur ein kleiner Promoter mit wenig Möglichkeiten und muss es wirklich jeden Wrestler, jeden Manager und jeden Fan da drausen Recht machen. Ich dachte mit dem Angebot an ihre Gesundheit. Wirklich, es war keine böse Absicht oder der Gedanke einer Beleidigung im Spiel, als ich mein Angebot machte ... «

Christopher Jenkins versuchte, in diesen Gespräch zu retten, was zu retten war. Er war ein Mann von Wort. Das konnte niemand abstreiten. Und er war ein Promoter, der es jedem Recht machen wollte. An manchen Tagen fragte er sich wohl, warum er diesen Job überhaupt machte. Typen wie Randy Walker schien es nicht zu interessieren, worum es einen Christopher Jenkins eigentlich ging. Die Wrestler und Protagonisten trieben ihr eigenes Spielchen und stellten Bedingungen. Jeder Worker stellte pausenlos Bedingungen, anstatt das Wesentliche, das große Ziel, eine gute Show zu liefern und Fans glücklich zu stellen, im Auge zu behalten. Und er, Cee Jay, war eben dieser Mann, der wirklich alles unter einem Hut bringen musste – unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen.

»Mir ist es scheiß egal, was sie sich dabei dachten. Ich will den Main Event. Ich will den Kerl im Steel Cage Match im Main Event der Show eine Abreibung verpassen, die er nie vergessen wird. Denken sie daran, ich bin der Mann der Show. Ich bin der Mann, der ihre Kassen füllen wird und ich bin es, der das Match des Abends abliefern wird. Richtig?«

Es war immer dasselbe. Wem auch immer man kontaktierte, jeder Wrestler fühlte sich wie Gott. Jeder war der größte, der beste und der göttlichste Kerl im Wrestling überhaupt. Ein leises Seufzen durchdrang das Telefon. Jenkins war klar, dass er irgendwo im Verborgenen eine Lösung würde finden müssen, die allen gerecht wird - und das möglichst ohne dabei verrückt zu werden.

Mein Gott, wenn sie wüssten, was für ein Arsch sie doch in Wahrheit sind. Dachte Christopher Jenkins bei sich. Gott, ich wünschte mir zu Weihnachten, dass die Superstars des Wrestlings einmal die wahre Erleuchtung finden würden.

»Ich werde mich bemühen, ihre Wünsche zu erfüllen, Mister Walker. Ich kann und will ihnen aber nicht das Blaue vom Himmel versprechen, schließlich arbeiten wir alle für die Fans und dem Business. Nicht wahr?«

»Natürlich«, gestand Randy Walker kleinlaut nach einem kurzen Moment des Nachdenkens ein. »Nebenbei, wer wird mein Gegner im Steel Cage Match sein?«

»Wir haben The Brute für den Main Event gewinnen können. Sie erinnern sich sicher? Der Schützling ihres Onkels Eric The Brain Walker. Der Mann mit der blutenden Maske, den man in den Katakomben der kalifornsichen Kleinstadt Santo Dango in der Church of Souls befreite? Es wird ein Match, wie es im Buche steht. Das Monster der Monster gegen eine echte Südstaatenlegende, die für das Wrestling im Süden steht wie kein anderer Man. Ein Hammer Match!«

Randy Walker wurde bleich im Gesicht, als er den Namen vernahm. Möglicherweise hatte er zu hoch gepokert? Wie dem auch sei, Christopher Jenkins hatte wahres Talent bewiesen, als er sein Match einen Mann, der sich aufführte wie das letzte Arschloch, schmackhaft machte und einen Abschluss im Interesse der Fans erzielte.
* * *
Die Fans jubelten laut, als die Faust des Hünen Randy Walker mitten ins Gesicht traf. Blut ran aus seiner Nase und benetzte seine Lippen. Der Geschmack vom eigenen Blut fühlte sich wirklich grauenhaft an, schlimmer, als in jeden Albtraum jeder Fantasie. Walker wurde nach diesem Schlag seine Verletzlichkeit bewusst, die er in den letzten Monaten seit seinem letzten Match fast vergessen hatte. Dem texanischen Wolf wurde von dem heftigen Treffer schwindlig. Er taumelte durch den halben Ring, ehe es Walker gelang, sich irgendwo an einem abgelegenen Bereich am Stahlkäfig festhalten konnte.

We Want More Blood!

Die Fans riefen lautstark ihren Slang durch die Arena. Es bestand keinen Zweifel daran, dass ihr Wunsch umgehend in Erfüllung gehen sollte, denn Cold Heart Randy Walker fand keinen Platz, an dem er vor der unbändigen Kraft seines Gegners in Sicherheit wäre. Doch kampflos wollte er nicht untergehen! Als das Monster wieder auf seiner Höhe war, schloss er die Faust und rammte sie ihn ins Gesicht. Immer und immer wieder musste The Brute die harten Schläge des Texaners einstecken, ohne eine Chance auf Gegenwehr. Walker war einfach zu schnell für ihn, trotz seines Alters. Doch als Walkers Kraft nachließ und die Müdigkeit einsetzte, gelang es dem 2 Meter Hünen den Texaner problemlos mit einem Clotheline gegen die Käfigwand zu drücken. Ein heftiger Schmerz durchfuhr Walkers Rücken, einen Schmerz, den er nie zuvor erlebte. Er vergaß das Match, in dem er sich befand. Die Stimmen in der Arena waren so weit weg, als seien sie in einer anderen Stadt zurückgeblieben. Er dachte nur an den Schmerz und den Medikamenten, die Erlösung versprachen. Doch wie sollte er da jetzt ran kommen?

Das nächste an das sich Randy Walker erinnerte, war der Chokeslam, der ihn in die Luft hob und mit einem wirklich lauten Krachen auf den Boden der Tatsachen zurückholte. Er konnte dem Gegner in die Augen sehen, als The Brute mit seinen Händen über Walkers Körper fuhr, um sie mit Blut zu benetzten und das Blut an seiner Ledermaske abwischte. Ein Ritual, das The Brute vom ersten Tage seiner Wrestlingkarriere vollbrachte. Randy konnte sich nicht daran erinnern, wann oder woher er sich die Wunden im Match zuzog, die für das warme Blut an seinem Körper sorgte. Langsam drehte er sich auf den Bauch, sah durch die Gitter hinaus in das Publikum. Da waren die Gesichter, die ihn schon ein Leben lang verfolgten. Die Gesichter all jener, die er einst spöttisch und niederträchtig, beinahe schon arrogant, begegnete. Sie schienen über sein Schicksal erfreut zu sein. Sie grinsten?

Mit einem Ruck wurde Walker wieder in die Luft gehoben. Der ganze Körper wurde mit aller Kraft zusammengepresst, bis er keine Luft mehr kriegte. Verzweifelt versuchte Randy Walker, Gegenwehr zu leisten, doch der Körper gab nach und ihm wurde schwarz vor Augen. Das Ende aller Tage schien nahe und es traf offensichtlich den richtigen. Denn Randy Walker hatte es ganz sicher verdient, für seine Sünden zu büßen.
* * *
Das Piepsen der Geräte durchdrang die Stille des Krankenhauses, als Randy Walker alleine in einem abgeschotteten Bereich erwachte. Schläuche durchdrangen seinen Körper. Verschiedene Substanzen versuchten, sein Leid zu begrenzen. Er sah sich suchend im Raum um, noch immer innerlich vernebelt. Nicole saß neben ihn im Raum und lag ihre Hand auf seine, als sie sein Erwachen bemerkte.

»Wie geht es dir?«

Randy Walker wollte etwas sagen, doch Nicole lag ihren Zeigefinger auf den Mund. Der Versuch zu sprechen fiel ihm sichtlich schwer.

»Es tut mir leid«, stammelte Randy, sicher, seine Frau würde verstehen, was er meinte. »Bitte vergib mir meine Fehler. Ich war ... ich bin nie ein steinkalter Wrestler gewesen. Auch kein Superheld, ich bin einfach ein Mensch aus Fleisch und Blut.«

»Ich weiß. Du musst dich nicht bei mir entschuldigen. Aber du könntest ein paar Worte sprechen. Da draußen warten ein paar Freunde, die mit mir zusammen die letzten Stunden hier auf dich gewartet haben.«

Randy wendete den Kopf zur Tür, als sein Bruder Darren eintrat. Doch er war nicht alleine. Ihm folgte Christopher Jenkins und ein maskierter Mann, ein Jüngling, den sie im Ring nur den L.A. Dragon nannten. Hinter den Männern erblickte Randy Walker weitere Gesichter, die er zumeist nicht kannte. Es waren alles Wrestler. Freund. Feinde. Typen, denen er übel zugerichtet hatte und Typen, die sich im Laufe der Jahre als Freunde erwiesen. Er hatte sie alle in den Jahren seiner Verletzung zurückgestoßen und aus sein Leben ausgeschlossen. Und trotzdem waren sie jetzt, in der bitteren Stunde alle anwesend.

»Was ... was geht hier vor?«, fragte Randy nach und versuchte sich im Bett aufzurichten.

»Bleiben sie ruhig liegen, Mister Walker«, antwortete Christopher mit einem Lächeln auf dem Mund. »Sie sind alle ihretwegen gekommen. Um ihnen alles Gute zum Fest zu wünschen. Mit ihren Gedanken und Gebeten bei ihnen zu sein. Wie alle Fans und Kollegen, die ihr letztes Match gesehen haben.«

»Habe ich .. das Match gewonnen?«

»Nein, Mister Walker. Das wohl nicht. Aber sie haben unser Mitgefühl gewonnen. Wie sie sich einem Monster entgegenstellten, das war schon beeindruckend.« Jenkins versuchte, eine Erklärung abzugeben. »Wissen sie, Wrestling ist kein Solo Programm. Wrestling ist ein Gemeinschaftsprojekt. Wir alle zusammen fahren eine gute oder eine schlechte Show ein und wir alle zusammen entscheiden irgendwo, wie wir unser Leben gestalten wollen. Sie mögen sich mir gegenüber wie ein Arsch benommen haben bei unseren Verhandlungen, aber da draußen Haben sie jede Menge eingesteckt und den Fans eine gute Show geboten. Das ist meiner Meinung nach alles, worauf es ankommt. Das ‚Wir schaffen das‘ gefühl. Der Zusammenhalt aller Protagonisten. Verstehen, sie was ich ihnen damit sagen will, Mister Walker?«

Als Randy Walker in die Gesichter der Leute sah, die gekommen waren, um ihn bei der Genesung zu begleiten wurde es ihm klar. Wrestling Sport betreibt man nie für sich allein. Eine Community, die zusammen steht und fällt, ist das Wichtigste überhaupt.

»Danke an alle, die mir dabei helfen werden, mich und meinen Platz im (Fantasy)Wrestling wiederzufinden. Vielen dank, Leute. Ich habe viel Mist gebaut, sehr viele Fehler begangen und Dinge getan, die man mit keinem Menschen machen sollte. Es tut mir aufrichtig leid. Ich weiß, dass ich euer Mitgefühl nicht verdient habe. Trotzdem, meine Gedanken sind bei euch. An allen Tagen meines Lebens, ihr seid meine zweite Familie und ich danke dem Herren, dass es so ist.«

In Gedanken versunken nickte Christopher Jenkins dem alten Walker zu. Es war ein Moment, der in Erinnerung bleiben sollte. Für alle Anwesenden und allen Abwesenden, die diese Geschichte hören werden.

»Merry Christmas, Mister Walker.«
CHRIS PAGE - THE NEXT BIG X
KARMA HAS NO DEADLINE!

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